20.10.2016
Wann kommt der Hase?

Das Nichtverstehen, das Missverstehen und das Unverstehen - sie alle gehören zum Theater. Sie sind deshalb auch immer da. Nicht nur beim Schauen, sondern auch beim Reden. Daher gehören Gespräche über das Theater für mich immer noch zu den spannendsten Erlebnissen. Bei nur wenig anderen Themen kommt man den Dingen so nah, kann Sachen dermaßen auf den Grund (und manchmal auch Leim) gehen und dabei sich so stark auf seinen persönlichen Blick verlassen. Beim Reden über Theater vertraut man der eigenen Wahrheit und nicht der Realität. Und kann sich dabei so herrlich fies verfransen in der eigenen Welt.

 

Das macht Gespräche über Theater allerdings auch zu den eher schwierigen Aufgaben, besonders in großen Runden. Denn hier wird einem immer wieder die Unvereinbarkeit von unterschiedlichen Sichtweisen vor Augen geführt, die oft eben nicht zum Konsens führt. Ergebnisse bei Theatergesprächen sind kein Ausdruck von Einigkeit, auch nicht von Gemeinsamkeit, sondern in erster Linie ein Appell an die Vielfalt. Die Vielfalt der Menschen und die Vielfalt des Theaters. Und Vielfalt geschieht durch unsere Unterschiede.

 

Daher sind Theatergespräch auch ein echt frustrierende Angelegenheit. Fast schon eine Unverschämtheit, gerade wenn es um den Austausch unter Fachfrauen und Fachmännern geht. Pädagogische Hardliner, ewig frei Assoziierende und klar konstruierte Handwerker treffen da aufeinander. Erklärbären, Bilderverweigerer und konstant Begeisterte ebenso. „Denke einfach immer daran, der Tiergarten ist groß und bunt", sagte meine Großmutter. Und auch wenn Vergleiche zwischen Menschen und Tieren eine grenzwertige Sache sind, so geb ich ihr immer noch recht. Und ich mag diesen Tiergarten. Den Zank, die Freude, die Übertreibung in den Gesprächen. Den klaren Blick und die vernebelte Voreingenommenheit, das alles gehört genau dort hin. Und bringt uns alle dem Theater immer wieder auf die Spur. Also, auf die Spuren. Denn auch davon gibt es verdammt viele. 

 

Und viele davon haben wir bereits ent- und aufgedeckt in den vergangen Tagen hier beim Theaterfest. Manche klar zu lesen, andere nur schwer zu erkennen. Manche, glaube ich, auch glatt erfunden. Aber das mit dem Erfinden können die Menschen hier ja auch ziemlich gut.

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