07.09.2016
Mot de bienvenue

GemEinsam - oder doch TOGETHER? Das Motto des Internationalen TheaterFests in Sankt Vith lädt wie jedes Jahr zum Nachdenken und Philosophieren ein. Auch anlässlich der 28. Auflage dieses 1986 ins Leben gerufene Festival.

Chris Dercon, der Belgier, der 2017 Intendant der Berliner Volksbühne wird und dort offensichtlich nicht mit offenen Armen empfangen wird, sagte in einem Interview: „Das Theater ist ein Begegnungsort, wo Menschen etwas für Menschen tun. Eine offene Situation. Wir können das Theater noch offener machen, indem wir andere Disziplinen zulassen." Dercon ist alles andere als unumstritten, der Spiegel forderte jüngst in einem Kommentar „Fair play für Dercon". Fair play für einen Mann, der zuletzt Chef der Tate modern in London war. Dercon hat noch nicht geliefert und wird schon heftig kritisiert. Eine Situation, die der Agora bekannt vorkommen muss. Auch Agora wurde lange von der einheimischen Bevölkerung kritisch beäugt, und an den Stammtischen wurde jeder Franken, den die DG der Theatergruppe bewilligte, als Verschwendung gebrandmarkt. Inzwischen haben wir den Euro, Agora heimst weiter viele Preise ein, tourt durch die Welt, und seit dreißig Jahren gibt es ein Theaterfestival in Sankt Vith, zu dem die Zuschauer strömen. Nicht alle, aber viele. Es strömen diejenigen, die neugierig sind und die gelernt haben, sich auf Theater einzulassen. Provokationen hinzunehmen und der Kunst zuzugestehen. Das Publikum ist eher gemeinsam als einsam. Es kommt zum Schmunzeln, Lachen, Weinen, Staunen, Zweifel und Hoffen. Es freut sich auf den Austausch im Treff. Es hat begriffen, dass dieses Festival bereichernd ist. Die Einsamkeit engagiert aufweicht. Dieses kritische Engagement ist gut für die Deutschsprachige Gemeinschaft.  In einem Theaterblog steht geschrieben: „Theater ist ein Konkret- Machen von Abstraktem, es gibt dem Abstraktem ein Gesicht, es zeigt sich. In einer Zeit, in der alles virtuellen Abstrahierungsprozessen ausgesetzt ist, handelt es sich bei diesem schlichten Vorgang um ein politisches, gesellschaftliches und humanistisches Statement. Es geht darum, als konkrete Individuen „Fremdkörper" in einer digitalisierten Welt zu sein, in der es keine Körper, keine Räume gibt. Menschen lassen sich nicht einfach in Bytes des Cyber Space übersetzen. Wir sind mehr als Daten, mehr als Statistiken, mehr als Konsumenten. Das Theater ist in diesem Zusammenhang alles andere als altmodisch, es ist an sich, als Medium, ein brisanter, ein äußerst aktueller Vorgang, einer abstrakten virtuellen Welt, eine konkrete Echtheit, einen konkreten Raum, konkrete Körper entgegenzusetzen, Sinnlichkeit zu verlangen." Damit das auch in Ostbelgien möglich ist, brauchen wir die Agora und ihr TheaterFest. Das die Deutschsprachige Gemeinschaft gerne unterstützt.

In diesem Sinne wünsche ich der 28. Auflage des Internationalen TheaterFestes der DG viele ostbelgische Momente voller Einblicke, Ausblicke und voller Durchblick. Herzlichen Dank dem Veranstalter, der Agora, und allen Helfern beim Theaterfest 2016.

 

Isabelle Weykmans

Ministerin für Kultur, Medien und Tourismus