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Mensch Zuschauer
22.08.2013

Mensch als Thema eines Theaterfestivals scheint selbstredend und fast schon überflüssig zu sein. Etwa wie Hunger als Voraussetzung für das Genießen eines Buffets.

Jetzt stellen Sie sich vor, Sie werden zu einem Buffet eingeladen, zahlen Ihren Obolus, freuen sich riesig auf das Essen, der Saal füllt sich, endlich wird das Buffet eröffnet und dann... Das Obst ist aus Plastik, die Hähnchenkeulen aus Styropor geschnitzt und so kunstvoll angemalt, dass Sie doch hätten schwören können, sie gerochen zu haben. Leicht irritiert treten Sie zwei Schritte zurück und sagen sich: „Na gut, dann genieße ich eben den schönen Anblick". Sie wundern sich über so viel Kunstfertigkeit und staunen über das enorme Wissen der Köche hinter dem Buffet, denen Sie gebannt zuhören, wie sie Ihnen den Geschmack von exotischem Obst und marinierten Hähnchenkeulen beschreiben. Sie vergessen sogar den Hunger - für eine Weile. Doch spätestens wenn das Knurren Ihres Magens so laut wird, dass Sie den Köchen nicht mehr folgen können, warten Sie nur noch darauf, dass es vorbei ist.

Wer wenn nicht wir, die Theaterköche, sollte dafür sorgen, dass niemand hungrig den Saal verlässt?

Wer wenn nicht wir sollte dafür Sorge tragen, dass es im Theater immer um den Menschen geht? Und nicht nur dort.

Wer wenn nicht auch wir sollte sich empören über so viel Verrat, Ungerechtigkeit und Ignoranz überall zwischen Rio, Sankt Vith und Istanbul?

Wir haben die Möglichkeiten und die Mittel. Jetzt brauchen wir bloß noch die Courage.

 

Das 26. Internationale TheaterFest steht unter dem Motto ‚Mensch‘ weil wir damit uns, den Theaterköchen und Ihnen, den hungrigen Zuschauern unmissverständlich zeigen wollen, dass es um Sie geht, lieber Zuschauer. So unmissverständlich, wie die eingeladenen Theatermenschen sich humorvoll, tänzerisch, laut oder leise aber allesamt ernsthaft verhalten zu den unterschiedlichsten Fragen der menschlichen Existenz.

Wir, die Menschen der Agora, freuen uns auf Sie und wünschen Ihnen einen guten Theaterappetit.

 

Für das gesamte Ensemble

 


Kurt Pothen und Roger Hilgers
künstlerische Leitung

 

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